Alpbach - Im Rahmen der "Wirtschaft und Ethik"-Gespräche beim Forum Alpbach präsentierte sich unter dem Kürzel FOPI das Forum der forschenden pharmazeutischen Industrie. Diese neue Interessenvertretung repräsentiert 13 Pharmaunternehmen, die mehr als 50 Prozent des österreichischen Arzneimittelmarktes erwirtschaften und allein in Österreich pro Jahr rund 160 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung investieren.
"Pharmazeutisches Unternehmen ist nicht gleich pharmazeutisches Unternehmen", sagte Alexander Mayr, FOPI-Präsident und Geschäftsführer von Eli Lilly Österreich. "Naturgemäß spielen Konzerne, die sich primär der Innovation auf dem Arzneimittelsektor verschrieben haben, im Gesundheitswesen eine andere Rolle als Hersteller von Generika oder Homöopathika." Das Forum setze sich deshalb für bessere Rahmenbedingungen für forschende Unternehmen ein.
"Eine Fortsetzung des Sparkurses bei den Medikamentenausgaben würde dazu beitragen, dass immer weniger Patienten ausreichend von den Errungenschaften der modernen Medizin profitieren und könnte mittelfristig auch zu einem Innovationsstopp in der Entwicklung moderner Arzneimittel führen", warnte Mayr. Bei den Registrierungen neuer Substanzen habe es weltweit bereits einen Rückgang von ehemals 60 pro Jahr auf heute 20 bis 30 gegeben.
Wer keine Gewinne mehr mache, könne das Risiko hoher Investitionen in die Forschung nur noch sehr eingeschränkt eingehen. "Die Kosten für Forschung und Entwicklung von durchschnittlich knapp einer Milliarde Euro pro Medikament müssen bis zum Ablauf der effektiven Patentschutzzeit innerhalb von acht bis zehn Jahren wieder hereingespielt werden, was allerdings nur bei jedem dritten Medikament gelingt", rechnet Peter Mateyka, FOPI-Vizepräsident und Chef von Baxter Österreich, vor.
Dass innovative Medikamente außerdem zu einem "intelligenten Sparen" im Gesundheitswesen beitragen können, sei bereits durch zahlreiche gesundheitlichen Gesamtrechnungen zweifelsfrei belegt, unter anderem in den Bereichen Depression, Migräne, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre oder der Zuckerkrankheit. "Wirkt ein innovatives Medikament effizienter als ein älteres Arzneimittel, so führt dies zu einer schnelleren Genesung oder Stabilisierung des Patienten", führte Klaus Welzel, Director Business Development and Corporate Strategy Europe bei Eli Lilly aus. "Operationen und Spitalsaufenthalte können verkürzt oder ganz vermieden werden, Krankenstände reduzieren sich."
Pharmaunternehmen tragen in der Marktwirtschaft die Verantwortung, mit dem Kapital der Aktionäre sorgfältig umzugehen, sagte Welzel. Dies stehe allerdings keinesfalls im Widerspruch zur sozialen und ethischen Verantwortung der Unternehmen." (red)
© DER STANDARD, 24./25. August 2002
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