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Generika können sparen helfen
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Generika sind keine Alternative zu innovativen Medikamenten
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Die Beschränkung auf Generika brächte Stillstand in Forschung und Entwicklung
Ein möglichst breiter Einsatz von Generika wird von manchen Experten als entscheidender Sparfaktor im Gesundheitssystem gesehen. Dieser Ansatz greift allerdings zu kurz, weil er die kostendämpfenden Effekte innovativer Medikamente unberücksichtigt lässt.
Das österreichische Gesundheitssystem bietet eine gute medizinische Gesamtversorgung: Rund 99 % aller Österreicher sind sozialversichert, die medizinische Versorgung ist sehr gut. Allerdings besteht ein Defizit der Krankenkassen von rund 151 Mio. € für das Jahr 2001. Dass die unerlässliche Umstrukturierung des Gesundheitssystems schwierig ist, liegt vor allem an den unterschiedlichen Finanzierungssystemen. So werden die Krankenhäuser in Österreich aus anderen „Töpfen“ finanziert als beispielsweise die Behandlung beim niedergelassenen Arzt. In der Diskussion um eine Reform des Gesundheitssystems ist allerdings häufig nicht die Rede von der von vielen Experten empfohlenen einheitlichen Finanzierung, sondern lediglich davon, dass unbedingt gespart werden müsse.
Sparen bei Medikamenten ist kontraproduktiv
Ein beliebter „Sündenbock“ in der Kostendiskussion sind die Arzneimittel. Diese seien zu teuer, heißt es oft, man könne hier hohe Summen einsparen.
Doch die Fakten sehen anders aus: Österreich liegt bei den Pro-Kopf-Ausgaben für Arzneimittel europaweit mit 137 € unter dem Durchschnitt. Mit 58 % fließt der größte Teil des österreichischen Gesundheitsbudgets in die Finanzierung der Krankenhäuser, die Ausgaben für medikamentöse Therapien hingegen machen nur 13,2 % der österreichischen Gesamt-gesundheitsausgaben aus. Schon aufgrund dieser Kostenstruktur kann jede Sparmaßnahme im Medikamentenbereich nur auf einen geringen Teil der Gesamtkosten abzielen.
In Irland wird ein ähnlich hoher Pro-Kopf-Betrag wie in Österreich ausgegeben, weit mehr wendet man mit 234 € in Deutschland oder mit 217 € in den Niederlanden auf. Dabei fällt auf, dass das jeweilige durchschnittliche Arzneimittelpreisniveau wenig Einfluss auf die Pro-Kopf-Ausgaben hat und dass Niedrigpreisländer meist einen höheren Arzneimittelverbrauch haben. Am deutlichsten zeigt sich das am Beispiel Frankreichs, das zwar europaweit relativ niedrige Arzneimittelpreise hat, jedoch mit 314 € die absolut höchsten Ausgaben pro Kopf aufweist.
Nur noch Generika? Stillstand in Forschung und Entwicklung!
Nach den Angaben der Generika-Hersteller könnten enorme Geldbeträge eingespart werden, wenn verstärkt patentfreie Medikamente zum Einsatz kämen. Eine Liberalisierung des Generika-Marktes ermöglicht eine Marktstabilisierung auf niedrigerem Niveau, d.h. es erfolgt eine Kostenreduktion durch Annäherung der Preise an die Produktionskosten. Eine von FOPI in Auftrag gegebene Studie zu den „Optimierungspotenzialen im Arzneimittelbereich“ zeigt, dass bei Preisreduktionen im Generika-Markt von 14 %, Einsparungen von 50 Mio. € erzielen werden können. Das oft genannte Einsparungspotenzial von 726 Mio. € ließe sich hingegen nur erreichen, wenn alle Originalpräparate gegen Generika ausgetauscht würden und ist somit nicht realistisch.
Tatsächlich sind Generika eine Maßnahme im Rahmen einer effizienten Kostensenkung. Allerdings können Generika Originalmedikamente nie vollständig ersetzen. Würden nur noch Generika verschrieben, könnte es sich kein pharmazeutisches Unternehmen mehr leisten, in die Forschung und Entwicklung neuer Medikamente zu investieren.
Rund 15 % des Jahresumsatzes werden von der forschenden Industrie ausgegeben, um von rund 5.000 getesteten Substanzen das eine Medikament zu finden, das zur Marktreife gedeiht. Die Zeit zwischen der Marktreife eines Produktes und dem Auslaufen des Patentes ist kurz, sie beträgt etwa 8 - 10 Jahre. In dieser Zeit müssen die hohen Entwicklungskosten eingespielt werden. Ein genereller Einsatz von Generika würde also bedeuten, dass die Erforschung neuer Medikamente zukünftig stagniert. In der Folge würden viele Erkrankungen, akute ebenso wie chronische, auf dem derzeit aktuellen medizinischen Standard bzw auf dem von vor 15 Jahren weiterbehandelt werden.
Wie problematisch das wäre, zeigen zahlreiche Beispiele: Die Leukämie etwa galt bis vor 20 Jahren häufig noch als Todesurteil. Durch die Entwicklung von hochwirksamen Medikamenten kann diese schwere Krebserkrankung heute in vielen Fällen geheilt werden. Ein weiteres Beispiel ist die Kombinationstherapie bei HIV. Hätte man hier keine kostenintensive Forschung betrieben, würde die Diagnose HIV-positiv auch heute noch ein sicheres Todesurteil bedeuten. Mit der Kombinationstherapie, die mittlerweile als State-of-the-Art gilt, können die infizierten Menschen heute vielfach jahrzehntelang nahezu wie Gesunde weiterleben. Die Liste ließe sich fortsetzen.
Generika maßvoll einsetzen
Das Ziel einer verantwortungsbewussten Gesundheitspolitik muss also sein, die pharmazeutische Industrie auch weiterhin bei ihrer Forschung nach innovativen neuen Medikamenten zu unterstützen. Denn eines ist klar: Nicht nur Generika, auch neue, innovative Medikamente helfen Kosten sparen. Wirkt ein neues Medikament effizienter als ein älteres Produkt, so führt dies zu einer schnelleren Gesundung oder Stabilisierung des Patienten. Operationen, Krankenhausaufenthalte und Krankenstände können teilweise vermieden oder zumindest verkürzt werden. Weist ein innovatives Medikament deutlich weniger Nebenwirkungen auf, so verbessert das nicht zuletzt auch die Lebensqualität der Patienten.
Generika können einen wichtigen Beitrag zur Kostenreduktion leisten, sie sind aber keinesfalls ein Allheilmittel zur Senkung der Gesundheitsausgaben.
Gen 070803 SF/HK/EMK