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Österreich im internationalen Vergleich

  • Hoher Versorgungsstandard, Nachholbedarf bei Forschung und Entwicklung (F&E)
  • Arzneimittelausgaben unter EU-Durchschnitt
  • Attraktiverer Standort durch Biotech-Neugründungen möglich


Unser Gesundheitswesen braucht den internationalen Vergleich nicht zu scheuen. Doch im Bereich F&E, also auch bei der Entwicklung von innovativen Medikamenten, hinkt Österreich hinterher. Neugründungen auf dem Sektor der Gen- und Biotechnologie sollen dafür sorgen, dass Österreich im internationalen Wettbewerb aufholt.

Für sein vorbildliches Gesundheitswesen ist Österreich auch international anerkannt. Es gewährleistet eine gute, flächendeckende Versorgung für alle, hohe Standards in Diagnose und Therapie und kann auf eine hervorragende medizinische und wissenschaftliche Erfahrung zurück-greifen. Nahezu jeder Österreicher kann eine Gesundheits-vorsorgeeinrichtung innerhalb einer Stunde erreichen,  99 % aller Österreicher sind durch die soziale Krankenversicherung geschützt und pro Kopf werden dafür etwa 60 € im Monat  gezahlt. In Bezug auf die Gesamtausgaben im Gesundheitswesen liegen zum Teil widersprüchliche Daten vor. Bis vor kurzem wurde basierend auf den Daten der OECD allgemein davon ausgegangen, dass Österreich mit Gesundheitsausgaben in der Höhe von 8,2 % des Bruttoinlandsproduktes unter dem europäischen Durchschnitt von 8,7 % und weit unter den Werten von Deutschland oder der Schweiz liegt.  Aktuelle Berechnungen zeigen aber, dass das Ausmaß der Gesundheitskosten um ca. 35 % unterschätzt wird – berücksichtigt man in den Berechnungen insbesondere die Abgangsdeckung der Krankenanstalten als Gesundheitsausgaben, mit der Begründung, dass diese als fixer Bestandteil des Finanzierungssystems durch die öffentliche Hand abgedeckt werden. Mit 10,9 % ergibt sich aus den neuen Daten für Österreich ein deutlich höherer Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP.  Unklar ist, welche Stellung sich für Österreich im EU-Vergleich ergeben würde, wenn die Berechnungsmethode in analoger Weise für alle EU-Länder zur Anwendung käme.

Weil jedoch die österreichischen Krankenkassen ein massives Defizit aufweisen (151 Mio. € 2001 ), konzentriert sich die aktuelle Debatte um das Gesundheitssystem hauptsächlich auf dortige Einsparungen.

Die fehlende Einbindung der Patienten in viele Entscheidungsprozesse, vor allem aber die zersplitterten Kompetenzen und Zahlungsverantwortungen sowie die fehlende Transparenz der tatsächlichen Kosten des Leistungsangebotes stellen die zentralen Hürden bei der Überwindung dieses Defizits dar. So werden Krankenhäuser aus anderen „Töpfen“ finanziert als beispielsweise die Behandlung beim niedergelassenen Arzt – ein Strukturdefizit, das unter anderem eine eindeutige Gesamtkostenrechnung je behandeltem Patienten nahezu unmöglich macht. Dies führt auch zu gesamtwirtschaftlich nachteiligen Einzelentscheidungen der jeweiligen Kostenträger.

Höhere Lebenserwartung – höhere Gesundheitsausgaben

Die Ausgaben für das Gesundheitswesen sind in den westlichen Industrienationen zwar in absoluten Zahlen gestiegen, ihr Anteil am Volkseinkommen ist jedoch nahezu konstant. Der Anstieg erklärt sich ganz natürlich aus der massiv gestiegenen Lebenserwartung der Bevölkerung. Auch die Österreicher werden immer älter, was auch bedeutet, dass sie häufiger unter akuten oder chronischen Erkrankungen leiden. So wurden beispielsweise innerhalb des Jahres 2000 56,7 % aller Verschreibungen der niedergelassenen Ärzte Österreichs bei Patienten registriert, die älter als 60 Jahre waren. Es zeigte sich, dass im niedergelassenen Bereich allein bei dieser Patientenaltersgruppe 53,9 Mio. Arzneimittel verordnet wurden.  Momentan sind in Österreich rund 20,7 % der Bevölkerung über 60 Jahre alt. Bereits 2025 werden es europaweit doppelt so viele sein.

Österreich bei Arzneimittelausgaben unter EU- Durchschnitt

In Irland wird ein ähnlich hoher Pro-Kopf-Betrag wie in Österreich mit 137 € ausgegeben, weit mehr wendet man mit 234 € in Deutschland oder mit 217 € in den Niederlanden auf. Dabei fällt auf, dass das jeweilige durchschnittliche Arzneimittelpreisniveau wenig Einfluss auf die Pro-Kopf-Ausgaben hat und dass Niedrigpreisländer meist einen höheren Arzneimittelverbrauch haben. Am deutlichsten zeigt sich das am Beispiel Frankreichs, das zwar europaweit relativ niedrige Arzneimittelpreise hat, jedoch mit 314 € die absolut höchsten Ausgaben pro Kopf aufweist.  

Herausforderung Forschungswettbewerb

Österreichs Institutionen in Wissenschaft und Wirtschaft stehen in Europa vor der Herausforderung, im Wettbewerb um Forschungsmittel und im Angebot leistungsfähiger Forschungsgruppen und -zentren konkurrenzfähig zu bleiben. Der Ausbau der nationalen Forschungsförderung und die Anpassung der Rahmenbedingungen sind dafür eine entscheidende Voraussetzung.

Österreich liegt mit einer Gesamt-Forschungsquote von 1,8 % des BIP,  das sind rund 3,63 Mrd. €, weit unter dem OECD-Durchschnitt von knapp 2,5 % oder den Forschungsausgaben vergleichbarer Länder wie Schweden (mehr als 4 %) oder Finnland (3,1 %) . Die öffentliche Hand ist also gefordert, die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Forschungsstandortes auszubauen und Forschern in Österreich die Möglichkeit zu geben, international interessante Innovationen voranzutreiben. Erste Erfolge in der Forschungsförderung zeichnen sich bereits ab, österreichische Forscher und Universitäten erhalten immer wieder internationale Auszeichnungen.

Auch auf dem Gebiet der Biotechnologie gab es in den vergangenen Jahren große Fortschritte. So konnten mit der im Jahr 1999 gegründeten Innovationsagentur 17 erfolgreiche Biotech-Startups in Österreich etabliert werden. Damit sind bereits die ersten Schritte gesetzt worden, um Österreich im internationalen Forschungswettbewerb zu einem attraktiven Standort zu machen. In den nächsten 5 Jahren sollen weitere 30 bis 40 Biotech-Neugründungen ermöglicht werden, wobei bis zum Jahr 2015 bis zu 10.000 neue Arbeitsplätze prognostiziert werden.  Dies würde entscheidend dazu beitragen, dass österreichische Institutionen im internationalen Wettbewerb leistungsfähiger Forschungsgruppen und  -zentren bestehen können.


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