Moderne Arzneimittel verbessern die Lebensqualität und nützen dem Gesundheitssystem. Eine aktuelle Studie zeigt, dass innovative Arzneimittel nicht nur die medizinische Behandlung verbessern, sondern in vielen Fällen eine Therapie überhaupt erst ermöglichen.
Wien, 25. Juni 2002. "Innovative Arzneimittel bringen einen großen Nutzen für den Patienten und damit auch für das Gesundheitssystem", sagt Dr. Günther Dietrich, Geschäftsführer des Pharmaunternehmens AESCA und Mitglied des Forums der Forschenden Pharmazeutischen Industrie (FOPI). Eine vergangene Woche präsentierte Studie des deutschen Institutes für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) Berlin hat ergeben, dass innovative Arzneimittel zu völlig neuen Therapiekonzepten führen können.
Die Wissenschaftler des IGES-Instituts haben anhand von elf Erkrankungen umfangreich dokumentiert, welchen Beitrag die medikamentöse Therapie auf die Gesundheit der Bevölkerung hat. So sagt Dr. Bertram Häusler, Geschäftsführer der IGES: "Bei diesen Erkrankungen zeigt sich, dass innovative Arzneimittel die medizinische Behandlung verbessern bzw. überhaupt erst ermöglichen."
Innovationen verlängern das Leben
Ein Beispiel dafür ist die Leukämie bei Kindern. Dr. Häusler: "Noch in den 50er Jahren war die Leukämie nicht heilbar. Heute können von den 600 pro Jahr neu erkrankten Kindern fast 400 geheilt werden. Moderne Arzneimittel sind hier die Lebensretter." Die Liste der Beispiele kann fortgesetzt werden: Migräne kann heute getrost zu den Volkskrankheiten gezählt werden: Rund zehn Prozent der Bevölkerung leiden daran. Neue innovative Arzneimittel - das ergab die IGES-Studie - verbessern nicht nur die Lebensqualität, sie senken auch die Kosten für die Volkswirtschaft. Immerhin vermindern Sie Produktionsausfälle am Arbeitsplatz um 12 bis 90 Stunden pro Patient und Jahr.
Ein Beispiel dafür, dass pharmazeutische Innovationen das Gesundheitssystem massiv entlasten können, ist die Ulkus-Therapie. So wurden in Österreich vor dem Jahr 1960, bevor effiziente Ulkus-Arzneimittel auf den Markt kamen, noch 14.325 Patienten wegen eines Magengeschwürs operiert, was wochenlange Krankenhausaufenthalte zur Folge hatte. Dank der neuen Ulkus-Arzneimittel sind die erforderlichen Operationen um 30,4 Prozent auf 9.963 gesunken. Ein besonders erfreulicher Aspekt ist die Verkürzung der Aufenthaltsdauer im Krankenhaus, die pro Patient heute zwischen 11 und 12 Tagen liegt.1
Die Notwendigkeit innovativer Arzneien zeigt auch das Beispiel Hepatitis. Gab es noch bis vor fünfzehn Jahren keine therapeutische Möglichkeit zur Heilung dieser Erkrankung, so konnte mit der Interferontherapie und dem gleichzeitigen Einsatz von antiviralen Medikamenten eine Heilungsrate von 72 Prozent erreicht werden.
Eine Kostenersparnis bieten auch die wirksamen Arzneimittel, die mittlerweile für die Therapie der Depression zur Verfügung stehen: Immerhin liegen - laut IGES-Studie die jährlichen direkten und indirekten Krankheitskosten der Depression in der Größenordnung derjenigen der koronaren Herzkrankheiten. Bereits bei einer mittelschweren Depression sind etwa 80 Prozent der Betroffenen arbeitsunfähig, wenn sie keine entsprechende Therapie in Anspruch nehmen. Die innovativen, neuen Medikamente, sogenannte Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, die zur Behandlung der Therapie zur Verfügung stehen, werden von den Patienten besser vertragen als die herkömmlichen trizyklischen Antidepressiva.
Dies sind nur einige von vielen Beispielen, die zeigen, wie wichtig Arzneimittelinnovationen in der modernen Medizin sein können.
Die Forschung und Entwicklung neuer Medikamente ist teuer und daher mit hohem wirtschaftlichen Risiko verbunden. Von rund 5.000 getesteten Substanzen schafft es nur eine bis zum erfolgreichen Einsatz als Arzneimittel. Die enormen Forschungskosten, die von den einzelnen Unternehmen aufgebracht werden müssen, sollen dann bis zum Ablauf der effektiven Patentschutzzeit innerhalb von acht bis zehn Jahren wieder hereingespielt werden. Dies gelingt allerdings nur bei jedem dritten Medikament.
Innovation spart Kosten
Das Forum der Forschenden Pharmazeutischen Industrie (FOPI), die Interessensvertretung forschungsorientierter Pharmaunternehmen in Österreich, stellt die Entwicklung innovativer Medikamente in den Mittelpunkt seines Interesses. Dr. Günther Dietrich, FOPI-Mitglied: "In der aktuellen Diskussion über Arzneimittelausgaben wird der Nutzen von Arzneimittelinnovationen ausgeblendet. Statt einer notwendigen Qualitätsoffensive werden Kostendämpfungsmaßnahmen gestartet."
Neben dem hohen Patientennutzen, sorgen innovative Medikamente auch für Kostensenkungen im Gesundheitsbereich so Dietrich: "Innovative Medikamente helfen auch, Kosten einzusparen. Wirkt ein neues innovatives Medikament effizienter als ein älteres Produkt, so führt dies zu einer schnelleren Genesung oder Stabilisierung des Patienten. Operationen und Krankenhausaufenthalte können vermieden oder verkürzt werden, Krankenstände reduzieren sich".
Der Anstieg bei den Arzneimittelausgaben führt Dietrich in erster Linie auf den Nachholbedarf bei innovativen Therapien zurück: "Wer den Ausgabenanstieg für Arzneimittel pauschal kritisiert, kritisiert letztlich auch die bessere Versorgung von Patienten bei Krebs, Aids und anderen lebensbedrohenden Erkrankungen. Wer moderne Therapien will, wird sich auf einen wachsenden Anteil der Arzneimittelausgaben an den Gesundheitsausgaben einstellen müssen." Dies spart auch Kosten, ist Dietrich überzeugt: "Damit wird auch eine Effizienzsteigerung im Gesundheitswesen insgesamt einhergehen, da moderne Therapien zum Beispiel Klinikaufenthalte reduzieren oder sogar überflüssig machen können."
Kleiner Anteil an den Gesundheitskosten
Arzneimittel machen im Gesamtbudget der Ausgaben der Sozialversicherungsträger nur einen Anteil von 14 Prozent aus2. Österreich liegt mit den Pro-Kopf-Ausgaben für Arzneimittel europaweit mit 137 Euro unter dem Durchschnitt. Deutschland wendet pro Kopf pro Jahr für Arzneimittel beispielsweise rund 234 Euro auf.
Alternative Generika?
"Generika sind eine wichtige Ergänzung im Rahmen der effizienten Finanzierung von Medikamenten und können dazu beitragen, Kosten einzusparen. Sie können aber Originalmedikamente nicht vollständig ersetzen" ist AESCA-Geschäftsführer Günther Dietrich überzeugt. "Ein ausschließlicher Einsatz von Generika würde bedeuten, dass die Erforschung neuer Medikamente zukünftig stagniert."
Die Kosten für die Entwicklung neuer innovativer Medikamente können nur über die kurze effektive Patentlaufzeit von acht bis zehn Jahren wieder "hereingespielt" werden. "Würden nur noch Generika verschrieben, könnte es sich kein pharmazeutisches Unternehmen mehr leisten, in die Forschung und Entwicklung neuer Medikamente zu investieren," sagt Dietrich.