Fast fünf Millionen Verordnungen mussten im Jahr 2000 in Österreich chefärztlich genehmigt werden. Seit einigen Tagen wird heftig darüber diskutiert, ob diese Chefarztpflicht fallen soll - für die Patienten könnte das Vorteile bringen.
Wien, 18. Juli 2002. Viele Patienten, die mit Arzneimittelinnovationen behandelt werden, müssen ihre Rezepte erst chefärztlich bestätigen lassen. Das bedeutet für viele Patienten, dass sie eine zeitaufwendige Prozedur auf sich nehmen müssen, und ein Chefarzt über ihren Arzneimittelbedarf entscheidet, der den Patienten nie zu Gesicht bekommt. Allzu häufig kommt dann das Rezept mit dem Stempel ´abgelehnt` zurück. "Wir denken, dass dahinter oft Kostengründe stecken, vor allem bei innovativen Medikamenten. Allerdings lässt sich mit innovativen Arzneimitteln Geld einsparen", sagt Alexander Mayr, Präsident des Forums der Forschenden Pharmazeutischen Industrie. "Patienten, die mit innovativen Medikamenten behandelt werden, gesunden oft schneller, müssen weniger lange im Krankenstand bleiben und benötigen weniger aufwendige Therapien", fasst der FOPI-Präsident die Vorteile moderner Arzneien zusammen.
Das Forum steht auch aus diesem Grund einer Abschaffung der Chefarztpflicht jedenfalls positiv gegenüber. "Die Pharmaindustrie ist jedenfalls zu Verhandlungen bereit", führt der FOPI-Präsident weiter aus und weiß sich dabei eines Sinnes mit der Pharmig.
Kosten im Auge behalten
Trotzdem ist auch für das Forum der Forschenden Pharmazeutischen Industrie klar, dass die Kostensituation nicht aus den Augen verloren werden darf. "Die Pharmaindustrie ist sicherlich bereit, mit dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger Verhandlungen zu diesem Thema zu führen. Wichtig erscheint uns allerdings, dass - sollte die Chefarztpflicht fallen - nicht andere innovationsfeindliche Maßnahmen gesetzt werden," stellt Alexander Mayr abschließend fest."
Ärztekammer und Krankenkassen für Abschaffung
In Österreich hat sich mittlerweile eine breite Front gegen die Chefarztpflicht gebildet. So äußerte sich etwa auch die Ärztekammer erst vor kurzem für eine Abschaffung der Chefarztpflicht insbesondere für chronisch kranke Menschen und hochbetagte PatientInnen.
"Gerade bei chronisch-kranken Patientinnen und Patienten können neuen und innovative Medikamente oft erstaunliche Fortschritte bewirken". Gerade hier wäre es daher besonders wichtig, diesen Menschen den Zugang zu den Arzneimittel-Innovationen zu erleichtern," sagt FOPI-Präsident Alexander Mayr.
Rund fünf Prozent der Verschreibungen
Knapp 4,9 Millionen chefarztpflichtiger Verordnungen wurden im Jahr 20001 ausgestellt. Das sind rund fünf Prozent aller rund 101 Millionen Verordnungen pro Jahr. Dieser Anteil ist in den vergangenen Jahren konstant geblieben. Der finanzielle Aufwand für die chefärztlichen Medikamente lag bei 15,35 Prozent aller Medikamentenkosten.