[Bild unter Hauptmenü]








Forum Alpbach: Pharma-Manager warnen vor Innovations-Stopp

Kurzsichtiges Sparen bei den Medikamentenausgaben könnte nicht nur eine optimale Patientenversorgung gefährden, sondern auch eine Stagnation in der Forschung und Entwicklung auf dem Arzneimittelsektor bringen. Davor warnten hochrangige Vertreter der Pharma-Wirtschaft auf einer Veranstaltung des Forums der forschenden pharmazeutischen Industrie (FOPI) und forderten von der Politik bessere Rahmenbedingungen für forschende Unternehmen.

Alpbach, 21. August 2002 – Eine Fortsetzung des Sparkurses bei den Medikamenten-Ausgaben würde nicht nur dazu beitragen, dass immer weniger Patienten ausreichend von den Errungenschaften der modernen Medizin profitieren, sondern könnte mittelfristig auch zu einem Innovations-Stopp bei der Entwicklung moderner Arzneimittel führen. Vor einer solchen Perspektive warnten heute Top-Manager der österreichischen Pharma-Wirtschaft bei einer Veranstaltung des Forums der forschenden pharmazeutischen Industrie (FOPI) in Alpbach. FOPI vertritt 13 forschende pharmazeutische Unternehmen, die mehr als 50 Prozent des österreichischen Arzneimittelmarktes repräsentieren und allein in Österreich pro Jahr rund 160 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung investieren.
„Es reicht nicht, dass die forschende pharmazeutische Industrie mit enormem finanziellen Einsatz immer bessere Medikamente entwickelt, wenn dann die Politik nicht sicherstellt, dass auch tatsächlich möglichst viele Patienten von diesen Innovationen profitieren können“, sagte Alexander Mayr, FOPI-Präsident und Geschäftsführer von Eli Lilly Österreich. Die aktuelle Diskussion um die Sanierung der Krankenkassen und die Reform des österreichischen Gesundheitssystems würde völlig zu unrecht sehr einseitig auf eine Reduktion der Medikamentenausgaben fokussiert: „Österreich liegt mit jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben für Arzneimittel von 137 Euro europaweit unter dem Durchschnitt. In Deutschland zum Bespiel liegen diese um knapp 100 Euro darüber. Nur etwa 10 Prozent der österreichischen Gesamtgesundheitsausgaben werden überhaupt für Medikamente aufgewendet.“ Das große Sparpotenzial, folgerte Mayr, liege also anderswo.

Innovative Medikamente retten Leben und sparen Geld

Ob und in welchem Umfang bei den Gesundheitsausgaben überhaupt gespart werden solle, das müsse die Politik entscheiden: „Der Beitrag der forschenden pharmazeutischen Industrie liegt darin, zu einem intelligenten Sparen beizutragen, das den optimalen Nutzen für Patienten sicherstellt“, sagte Peter Mateyka, FOPI –Vizepräsident und Geschäftsführer von Baxter Bioscience. „Das Patienteninteresse ist uns ein ganz zentrales Anliegen.“
Dass innovative Medikamente insgesamt zur Kostendämpfung wirksam beitragen können, sei bereits durch zahlreiche gesundheitliche Gesamtrechnungen zweifelsfrei belegt, unter anderem in den Bereichen Depression, Migräne, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre oder Zuckerkrankheit. „Wirkt ein innovatives Medikament effizienter als ein älteres Arzneimittel, so führt dies zu einer schnelleren Genesung oder Stabilisierung des Patienten“, führt Mateyka aus. „Operationen und Spitalsaufenthalte können verkürzt oder ganz vermieden werden, Krankenstände reduzieren sich, und unerwünschte Wirkungen treten seltener auf.“
Allerdings habe es trotz dieser offensichtlichen Vorteile innovativer Substanzen für die Gesundheitssysteme bereits bei den Registrierungen neuer Substanzen weltweit einen Rückgang von ehemals 60 pro Jahr auf heute 20 bis 30 gegeben. „Wenn bei Entwicklungskosten für ein einziges Medikament von durchschnittlich einer Milliarde Euro durch eine Politik des einseitiges Einsparens und bürokratischer Hürden keine angemessenen Preise für diese Präparate mehr erzielt werden können, dann werden viele Unternehmen diese Investitions-Risiken nicht mehr eingehen“, warnt FOPI-Präsident Mayr.
Betroffen von diesen Entwicklungen sei nicht die gesamte pharmazeutische Industrie, sondern primär die Gruppe jener Unternehmen, die sich in erster Linie der Innovation auf dem Arzneimittelsektor, also einer ständigen Weiterentwicklung der medikamentösen Therapie, verschrieben haben. Sie spielen naturgemäß auf dem Gesundheitssektor eine andere Rolle als etwa Unternehmen, die sich auf die Produktion von Generika, also preiswerte Nachbildungen von Medikamenten mit abgelaufenem Patentschutz, oder Homöopathika spezialisiert haben.

Generika sind kein Allheilmittel – aber eine sinnvolle Ergänzung

Eine der angeblichen Zauberformeln zur Reduktion des Krankenkassendefizits laute, in möglichst vielen Fällen Generika zu verschreiben, kritisierte bei der Alpbacher Veranstaltung Peter Mateyka. Vor überhöhten Erwartungen an einen weitestreichenden Einsatz von Generika müsse allerdings gewarnt werden: „Würden nur noch Generika verschrieben, könnte es sich kein pharmazeutisches Unternehmen mehr leisten, in die Forschung und Entwicklung neuer Medikamente zu investieren, und die Arzneimittelforschung würde schlicht stagnieren. Zahlreiche weit verbreitete Erkrankungen würden dann mit dem derzeit aktuellen therapeutischen Standard weiterbehandelt werden, die Entwicklung nicht nur besser wirksamer, sondern auch nebenwirkungsärmerer Medikamente würde gehemmt.“

Motor der Forschung

Natürlich sei die forschende pharmazeutische Industrie als wichtiger Wirtschaftszweig darauf angewiesen, kostendeckend und gewinnbringend zu wirtschaften, sagte Mateyka. Nachdem sich viele Staaten aus ihrer Verantwortung für Forschung und Entwicklung immer mehr zurückziehen, gebe es keine Alternative zu den Beiträgen solcher pharmazeutischer Unternehmen: Immerhin fließen rund 15 Prozent der Jahresumsätze in die Erforschung neuer Medikamente. Zum Vergleich: In der Telekom-Branche gehen nur drei bis fünf Prozent in F&E.
Die Zukunft der durch die pharmazeutische Industrie geleisteten Innovationen hänge allerdings auch stark von der forschungspolitischen Ausrichtung der einzelnen Länder ab. „Um kontinuierliche Forschung und Innovation zu gewährleisten, sind nicht nur öffentliche Förderung für biomedizinische Grundlagenforschung notwendig“, forderte Mateyka. „Wir brauchen auch echte marktwirtschaftliche Bedingungen für Medikamente, die auf Wettbewerb und freier Auswahl beruhen, und effiziente und gut funktionierende rechtliche Rahmenbedingungen.“

Pressefotos


 Presseaussendungen
 Inflationspaket

 FOPI zu Health Technology Assessment

 FOPI Forderungskatalog

 FOPI zur Bundesgesundheitsagentur

 FOPI zur Chefarztpflicht 2005

 FOPI beim Europäischen Forum Alpbach 2004

 FOPI beim Europäischen Forum Alpbach 2003 - Reformgespräche

 FOPI: „Offen für sinnvolle Gesundheitsreform“

 Forschende Pharmaindustrie positiv zu Regierungs-Reformvorhaben

 Optimierunspotenziale im Arzneimittelbereich

 Karrieremöglichkeiten in der forschenden pharmazeutischen Industrie

 Aktuelle Studie: Zugang zu innovativen Medikamenten schwierig

 Symposium "Gesundheit für alle?"

 Europäisches Forum Alpbach 2002
 FOPI präsentiert sich der Öffentlichkeit

 Arbeitskreis: Ethik in der pharmazeutischen Industrie

 FOPI - aktuelles Statement zur Chefarztpflicht

 Ende der Chefarztpflicht positiv für die Patienten

 Industrie fordert mehr Transparenz beim Zugang zu Medikamenten

 Innovative Medikamente retten Leben und sparen Geld

 Berichte in den Medien

 Fotos

Wartung Hilfe