Welche Anforderungen werden an Studienabsolventen in Pharma-Unternehmen gestellt? Wie sieht es mit Angeboten und Trainee-Programmen aus? Welche Möglichkeiten haben Pharmazeuten in der forschenden Industrie? Über Anforderungen an Mitarbeiter und die Zukunft der Branche diskutierten Pharmazie-Studenten gemeinsam mit Vertretern des Forums der forschenden pharmazeutischen Industrie (FOPI) bei einer Informationsveranstaltung am pharmazeutischen Institut der Universität Wien.
Wien, 28. März 2003 – Auch in Zeiten sinkender Beschäftigungszahlen in anderen Branchen sind die Chancen auf Jobs in der forschenden pharmazeutischen Industrie ausgesprochen gut. Das betonten Manager bei einer Diskussion mit Pharmazie-Studenten in Wien. „Die Zahl unserer Mitarbeiter steigt nach wie vor. Vor drei Jahren hatten wir 72 Mitarbeiter bei Eli Lilly Austria, heute sind es 124“, sagt Mag. Alexander Mayr, Geschäftsführer von Eli Lilly und Präsident des Forums der forschenden pharmazeutischen Industrie (FOPI) im Rahmen einer Informationsveranstaltung über Perspektiven und Karrieremöglichkeiten in seiner Branche. Dass das Thema Berufsaussichten auf Grund der heutigen Arbeitsmarktsituation auch für angehende Pharmazeuten von großer Bedeutung und mit Unsicherheit verbunden ist, zeigte das Interesse der mehr als 100 Studenten, die an der Veranstaltung teilgenommen haben.
Anforderungsprofil – Flexibilität und Teamfähigkeit
Die wichtigsten Voraussetzungen für den Einstieg von Uni-Absolventen in pharmazeutische Unternehmen seien Flexibilität, persönliches Engagement und Teamfähigkeit, betont Mag. Mayr. „Die pharmazeutische Industrie ist extrem dynamisch. Die Stellenangebote sind dementsprechend variantenreich und werden ständig ausgebaut. Flexibilität ist eine besonders wichtige Komponente, aber auch Teamfähigkeit ist eine der Grundvoraussetzungen für den erfolgreichen Eintritt in pharmazeutische Unternehmen.“
Jobprofile und Ausbildungs-Hintergrund
Die Betätigungsmöglichkeiten in der Branche sind breit gestreut: „Die Jobangebote in den Pharmaunternehmen reichen vom Drug Safety Officer, Regulatory Affairs Manager über den Product Manger bis zum Medical Advisor und kommen vor allem für Studienabgänger von naturwissenschaftlichen Zweigen in Frage“, wie Dr. Katharina Rauchensteiner, ausgebildete Pharmazeutin und Medical Advisor bei Pfizer erklärt. Die Firma Pfizer Austria etwa bietet seit kurzem spezielle Marketing Trainee Programme an. Das Training ist ein Ausbildungsprogramm für Junior Product Manager (PM) und umfasst die übergreifende Mitarbeit an verschiedenen Projekten sowie mehrere Auflandsaufenthalte.
Grundsätzlich gibt es aber auch hier, wie in allen Branchen, Möglichkeiten für Quereinsteiger: Betriebswirtschaftliche Erfahrungen, Zusatzausbildungen und Kommunikationswissenschaften sind gefragt. „Heute haben nur noch 30 Prozent der Geschäftsführer von Pharma-Unternehmen eine medizinische Ausbildung, während es früher 70 bis 80 Prozent waren“, so Mag. Mayr.
Trends und Perspektiven
In den forschenden pharmazeutischen Unternehmen erfolgt eine zunehmende Verschmelzung von Innen- und Außendienst. Das heißt, es gibt vermehrt eine Überschneidung der Arbeitsbereiche, Teamwork wird immer entscheidender und neue Arbeitsbereiche entstehen. Weiters werden, so die Experten, die Organisationsstrukturen in den Industrieunternehmen zusehends flacher. Sie böten dadurch zwar weniger Aufstiegsmöglichkeiten, gleichzeitig wachsen jedoch die Chancen, durch den Ausbau Österreichs als Standort, auch internationale Aufgaben zu übernehmen und internationale Karrierewege einzuschlagen. Pfizer ist das weltweit führende Pharmaunternehmen. „Der Konzern hat rund 80 Niederlassungen und eine Marktpräsenz in 150 Ländern, mit 85.000 Mitarbeitern – davon sind 12.000 in der Forschung tätig“, macht Dr. Pierre Saffarnia, PR-Manager bei Pfizer, in Bezug auf internationale Karriere-Perspektiven in solchen Konzernen deutlich.
Forschungsstandort Österreich
Der Forschungsstandort Österreich ist für viele der im FOPI vertretenen Unternehmen von großer Bedeutung. Insbesondere der Biotech-Bereich ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Das Angebot für Nachwuchskräfte ist hier groß. Böhringer Ingelheim beispielsweise führt die gesamte Forschung im Bereich Onkologie in Wien durch. Baxter hat vor kurzem in neues Forschungszentrum in Krems eröffnet, Roche ist mit einem Centre of Excellence in Linz vertreten und Lilly betreibt die so genannte Vienna School of Clinical Research in Wien mit Ausrichtung auf Osteuropa.
Die pharmazeutische Industrie hat allein 2001 mehr als 30 Mrd. Euro in die Forschung und Entwicklung neuer Medikamente investiert. Dies entspricht einer Investitionsquote von 15 Prozent des Umsatzes. Die Entwicklung eines neuen Medikamentes dauert im Schnitt 10 bis 15 Jahre und kostet pro Medikament rund eine Milliarde Euro. Die als besonders innovativ geltende Telekommunikationsbranche gibt im Vergleich dazu nur rund drei bis fünf Prozent ihres Umsatzes für Forschung und Entwicklung aus.