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Kurzsichtiges Sparen bei Medikamentenausgaben könnte nicht nur eine optimale Patientenversorgung gefährden, sondern auch eine Stagnation in der Forschung und Entwicklung auf dem Arzneimittelsektor bringen. Davor warnten hochrangige Vertreter der Pharma-Wirtschaft auf einer Veranstaltung des Forums der forschenden pharmazeutischen Industrie (FOPI) in Alpbach. Eine Reihe der von der Regierung geplanten Reformmaßnahmen findet die volle Unterstützung der Industrie.
Alpbach, 19. August 2003 – Reformschritte im Gesundheitssystem, die einseitig auf Sparmaßnahmen bei Medikamenten abzielen, aber keine strukturellen Veränderungen schaffen, würden nicht nur zu einer schlechteren Versorgung der Patienten mit modernen Therapien führen, sondern brächten auch das Risiko eines Innovations-Stopps bei der Entwicklung neuer Arzneimittel. Vor einer solchen Perspektive warnten heute Top-Manager der österreichischen Pharma-Wirtschaft bei einer Presseveranstaltung des Forums der forschenden pharmazeutischen Industrie (FOPI) im Rahmen der Alpbacher Reformgespräche. Die von FOPI vertretenen forschenden pharmazeutischen Unternehmen repräsentieren mehr als 50 Prozent des österreichischen Arzneimittelmarktes und investieren allein in Österreich pro Jahr rund 160 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung. „Wir unterstützen durchaus eine Reihe von Reformvorhaben der Regierung im Gesundheitsbereich“, sagte Alexander Mayr, FOPI-Präsident und Geschäftsführer von Eli Lilly Österreich. „Dazu gehören die Vorschläge, verstärkt Generika einzusetzen und mehr rezeptfreie Medikamente verfügbar zu machen.“ Generika seien im EU-Vergleich hierzulande viel zu teuer und schon deshalb weniger verbreitet als in anderen Ländern.
Strukturreform statt einseitiger Spardebatte Mayr weiter: „Selbst wenn wir alle Medikamente herschenken, löst das nicht die wahren Probleme im österreichischen Gesundheitswesen. Mit 53 Prozent fließt der größte Teil des Gesundheitsbudgets in die Finanzierung der Krankenhäuser, die Arzneimittel machen nur 15 Prozent der Gesamtgesundheitsausgaben aus. Und zieht man davon den Anteil ab, den die Patienten selbst bezahlen, sind wir bei nur acht Prozent.“ Eine sinnvolle Reform, folgerte Mayr, dürfe den stationären Bereich also nicht aussparen, was wohl auch der Politik klar sei: „Ich habe den Eindruck, dass auch Frau Bundesministerin Rauch-Kallat die Grenzen weiterer Sparmaßnahmen bei Medikamenten realistisch einschätzt und sich deshalb um eine tiefergreifende Reform bemüht.“ Das sei schon deshalb wichtig, betonte Mayr, weil die Fabriksabgabepreise für innovative Medikamente in Österreich ohnehin schon unter den niedrigsten in ganz Europa seien – auf einem Niveau vergleichbar mit Griechenland oder Portugal. Selbst in den Beitrittsländern liegen die Preise oft höher. Mayrs Fazit: „Innovative Unternehmen haben es hierzulande wirklich nicht leicht.“
Teure Krankenhauslastigkeit Damit eine Gesundheitsreform hierzulande auch wirklich Sinn macht, muss das Problem der Krankenhauslastigkeit angegangen werden. Das fordere schließlich auch der Rechnungshof vehement, wie der Geschäftsführer von MSD Österreich, Guus van der Vat, in Alpbach betonte. „Der Rechnungshof hat in seinem Tätigkeitsbericht 2001 ganz klar vorgerechnet, dass allein mit einer Angleichung der Spitalsbettendichte an den europäischen Schnitt 2,9 Milliarden Euro eingespart werden könnten. Das ist um vieles mehr als die Krankenkassen insgesamt für Medikamente ausgeben.“ Zum Vergleich: In Österreich kommen auf 1.000 Einwohner 6,2 Betten, Frankreich hat eine Bettendichte von 4,2, die Niederlande von 3,5. Der europäische Durchschnitt liegt bei 4,6 Betten je 1.000 Einwohner. „Hier gibt es ein großes Ungleichgewicht“, kritisierte van der Vat. „Denn der Überversorgung mit Betten auf der einen Seite steht eine Unterversorgung auf der anderen Seite, nämlich mit modernen Medikamenten, gegenüber.“
18.720 verlorene Lebensjahre in Österreich So liege etwa Österreich bei den Behandlungsausgaben für Statine, also den modernen Medikamenten zur Behandlung erhöhter Blutfettwerte, 38,5 Prozent unter dem EU-Durchschnitt. Hohe Cholesterinwerte gelten als Hauptrisikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Van der Vat: „Sieht man sich in diesem Zusammenhang die OECD-Gesundheitsdaten für Österreich an, sprechen die Zahlen für sich. 234 verlorene Jahre allein wegen akuten Herzinfarkts. Auf ganz Österreich umgerechnet heißt das, 18.720 verlorene Lebensjahre pro Jahr.“ Als besondere Hürde für den Zugang zu modernsten Therapien kritisierte der Pharma-Manager die in Österreich üblichen speziellen Indikationsregelungen. Ein Praxisbeispiel: Ein weltweit erfolgreiches Medikament zur Blutdrucksenkung bekommt in Österreich nur, wer schon mit einem ACE-Hemmer behandelt wurde und darauf einen Keuchhusten bekommen hat. „Für den Hauptverband ist das ein Instrument, um Preise zu drücken und Verordnungen einzuschränken. Patienten werden moderne Therapien vorenthalten“, kritisierte van der Vat. „Und nur wer Geld hat, kann sich neue, nebenwirkungsärmere und bessere Medikamente kaufen. Die Folge ist die Zwei-Klassen-Medizin.“
Medikamente – Wert mit Umwegrentabilität Ob und in welchem Umfang bei den Gesundheitsausgaben überhaupt gespart werden solle, das müsse die Politik entscheiden. Gesundheit auf hohem Niveau koste eben Geld, dazu müsse man realistisch stehen, sagte in Alpbach Peter Mateyka, FOPI – Vizepräsident und Geschäftsführer von Baxter Österreich. „Bei neuen, nebenwirkungsärmeren und besser wirksamen, sprich innovativen Arzneimitteln zu sparen bedeutet sparen am falschen Ort, auch wenn es noch so oft in der aktuellen politischen Debatte in den Vordergrund gerückt wird“, kritisierte Mateyka. „Nach Sanktionen für Ärzte zu rufen, die innovative Medikamente verschreiben, das geht eindeutig in die falsche Richtung.“ Mit Hilfe von innovativen Medikamenten würden Patienten schneller gesund, könnten früher in den Arbeitsprozess eingegliedert werden und das führe zu einer Reduktion der Aufwendungen für Krankenstände. Mateyka: „Innovationen im Arzneimittelbereich stellen eine Chance dar, die Lebenserwartung und Lebensqualität der Bevölkerung zu erhöhen.“
Motor der Forschung Innovation sei aber nicht nur ein wichtiger Faktor für die Lebensqualität von Patienten und für die Umwegrentabilität in Sachen Gesundheitskosten, sondern auch ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Mateyka: „Immerhin fließen rund 18 Prozent der Jahresumsätze in die Erforschung neuer Medikamente.“ Zum Vergleich: In der als besonders innovativ geltenden Telekom-Branche seien es nur drei bis fünf Prozent. Nachdem sich viele Staaten aus ihrer Verantwortung für Forschung und Entwicklung immer mehr zurückziehen, gebe es keine Alternative zu den Beiträgen solcher pharmazeutischer Unternehmen. „Wenn aber der Preisdruck auf uns immer mehr steigt, sind die Folgen unvermeidbar“, warnte Mateyka. „Weniger neue Medikamente. Weniger besser wirksame Medikamente. Mehr Leid. Denn zu Dumpingpreisen Medikamente erforschen und entwickeln: Das wird nicht gut gehen.“ Die Zukunft der durch die pharmazeutische Industrie geleisteten Innovationen hänge stark von den politischen Rahmenbedingungen ab. „Um den Patienten auch in Zukunft moderne Arzneimittel zu bieten, ist nicht nur ein klares Ja zur biomedizinische Grundlagenforschung notwendig“, forderte Mateyka. „Wir brauchen auch echte marktwirtschaftliche Bedingungen für Medikamente, die auf Wettbewerb und freier Auswahl beruhen, und effiziente und gut funktionierende rechtliche Rahmenbedingungen.“
Für Rückfragen: B&K Kommunikation Dr. Birgit Kofler-Bettschart Tel.: 01-319 43 78*0 bzw. in Alpbach: 0676-636 89 30 Mail: kofler@bkkommunikation.at
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AKTUELLE GESUNDHEITSPOLITISCHE ANLIEGEN UND ZIELE
Statement Mag. Alexander Mayr
Ich möchte mich zunächst für die angenehme Zusammenarbeit zwischen der forschenden pharmazeutischen Industrie und dem Forum Alpbach bedanken, die vor nunmehr zwei Jahren hier in Alpbach begonnen hat.
In Form der aktiven Beteiligung beim Europäischen Forum Alpbach und der dieses Jahr erstmals stattfindenden Reformgespräche möchte FOPI – das Forum der forschenden pharmazeutischen Industrie – seinen Beitrag zur aktuellen Diskussion rund um das Gesundheitswesen leisten und den konstruktiven Dialog mit allen in diesem Bereich beteiligten Partnern fortsetzen. Denn wenn die Reformgespräche heuer der Frage einer Neudefinition des Wohlfahrtsstaates nachgehen, so ist gerade das Thema Gesundheit dabei von hoher politischer Relevanz: Welches Gesundheitssystem kann sich der moderne Wohlfahrtsstaat leisten? Muss er sich eines leisten? Was erwartet sich der Patient von einer Gesundheitsversorgung? Wie sieht der Wohlfahrtsstaat der Zukunft aus? Das sind nur einige der Fragen, die wir auch heute Nachmittag in einer hochkarätigen Expertenrunde noch diskutieren werden. Wie Sie wissen, ist das Forum der forschenden pharmazeutischen Industrie die Interessensvertretung von forschungsorientierten pharmazeutischen Unternehmen in Österreich. Als Partner für alle Akteure im österreichischen Gesundheitswesen engagieren wir uns besonders für ein forschungsfreundliches Klima in Österreich, sowie für Rahmenbedingungen, die allen Patientinnen und Patienten den bestmöglichen Zugang zu therapeutischen Innovationen sichern.
Warum FOPI? Jene Unternehmen, die heute im FOPI vertreten sind, repräsentieren mehr als 50 Prozent des österreichischen Pharmamarktes und investieren allein in Österreich jedes Jahr rund 160 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung. Naturgemäß spielen solche Unternehmen, die sich in aller erster Linie der Innovation auf dem Arzneimittelsektor, also einer ständigen Weiterentwicklung der medikamentösen Therapie, verschrieben haben, auf dem Gesundheitssektor eine andere Rolle als etwa Unternehmen, die sich auf die Produktion von Generika oder Homöopathika spezialisiert haben. Deshalb ist auch eine eigene Interessensvertretung sinnvoll.
· Der Patient im Mittelpunkt. Einerseits geht es darum, durch den enorm kostspieligen Einsatz von Forschungsmitteln die Entwicklung innovativer, hochpotenter und immer mehr maßgeschneidert wirksamer Medikamente zu ermöglichen. Andererseits aber muss auch sichergestellt werden, dass all jene Patientinnen und Patienten, die von solchen Medikamenten profitieren, diese auch rasch und uneingeschränkt erhalten. Dies ist bei weitem nicht selbstverständlich, wie etwa eine aktuelle Studie des deutschen Gesundheitsökonomen Prof. Oliver Schöffski belegt, auf die mein Kollege Guus van der Vat noch detaillierter eingehen wird. Gesundheit kostet Geld und den Sparstift bei neuen, innovativen Arzneimitteln anzusetzen, bedeutet, am falschen Ort zu sparen. Selbst wenn wir alle Medikamente herschenken, löst das nicht die wahren Probleme im österreichischen Gesundheitswesen. Den diese sind strukturbedingt: Mit 53 Prozent der Gesundheitsausgaben fließt der größte Teil in die Finanzierung der Spitäler. Die Arzneimittel machen hingegen nur einen Bruchteil dessen aus. Wenn Sie sich die konkreten Zahlen ansehen: Die Kosten für Heilmittel sind pro Versicherten und Jahr im Zeitraum von 1999 bis 2001 um 18 Euro gestiegen . Zum Vergleich können Sie dafür 5 mal im Sommer ins Freibad Gänsehäufl in Wien gehen. Stichwort: Was ist Gesundheit wert?
Medikamente dürfen nicht nur als Kostenfaktor gesehen werden, sondern stellen einen Wert mit größter Umwegrentabilität dar. Das heißt, Patienten werden schneller gesund, können früher wieder in den Arbeitsprozess eingegliedert werden und führen damit indirekt zu einer Reduktion der Aufwendungen für Krankenstände. Im Vergleich zu den 60er Jahren leben die Österreicher heute im Schnitt um zehn Jahre länger (1961 bis 2002 plus zehn Jahre). Warum wohl? Weil die Lebensqualität und die medizinischen Therapiemöglichkeiten insgesamt gestiegen sind. Diese Tatsache stellt die Politik vor eine neue Herausforderung. Im Sinne einer Gesundheitspartnerschaft kann sich keiner der Beteiligten einer notwendigen Reform des Gesundheitswesens entziehen. Patienten und pharmazeutische Unternehmen ziehen hier am selben Strang.
Eine sinnvolle Reform darf den stationären Bereich nicht aussparen! Mit 53 Prozent fließt der größte Teil des Gesundheitsbudgets in die Finanzierung der Krankenhäuser, Medikamente machen hingegen nur 15 Prozent der Gesamtgesundheitsausgaben aus. Zieht man davon noch jenen Anteil ab, den die Patienten selbst bezahlen, sind wir bei 8 Prozent. Gleichzeitig ist der Fabriksabgabepreis für innovative Medikamente in Österreich unter den niedrigsten in ganz Europa - und somit auf einem Niveau das vergleichbar mit Griechenland oder Portugal ist. Innovative Unternehmen haben es damit nicht leicht.
Ich habe den Eindruck, dass Frau Bundesminister Rauch-Kallat die Grenzen weiterer Sparmaßnahmen bei Medikamenten realistisch einschätzt und sich deshalb um eine tiefgreifendere Reform bemüht. Die Vorschläge seitens der Regierung, den verstärkten Einsatz von Generika und die Verfügbarkeit von mehr nicht rezeptpflichtigen Medikamenten zu fördern, begrüßen wir. In Österreich sind Generika im EU-Vergleich viel zu teuer. Darüber hinaus sollten mehr Arzneimittel als bisher als nicht rezeptpflichtig eingestuft werden. Eine solche Vorgangsweise würde nicht nur die Eigenverantwortung der Patienten stärken, sondern auch das Budget der Krankenkassen spürbar entlasten.
FOPI fordert: - Europäischen Durchschnittspreise, damit österreichischen Patienten zukünftige, innovative Medikamente zur Verfügung stehen können. - Behandlungs-Gleichheit für den österreichischen Patienten: Rascher und uneingeschränkter Zugang zu innovativen Medikamenten nacherteilter europäischer Zulassung. - Beseitigung bürokratischer Hürden: Keine Schikanen bei der Eintragung in das Heilmittelverzeichnis.
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INNOVATION BEDEUTET CHANCEN
Statement Dr. Peter Mateyka
Nachdem mein Vorredner die generellen Zielsetzungen des Forums der forschenden pharmazeutischen Industrie und unsere gesundheitspolitischen Anliegen dargelegt hat, darf ich auf einige aktuelle Aspekte eingehen, die zeigen, warum Forschung und Entwicklung im Arzneimittelbereich von wesentlicher Bedeutung ist, welche Chancen Innovationen für das gesamte Gesundheitswesen und letztlich für den einzelnen Patienten darstellen – und welche Risiken Innovationsverzicht in sich birgt.
Aktuelle Debatte Reduktion der Arzneimittelkosten: Gesundheit kostet Geld, keine Frage. Und bei neuen, nebenwirkungsärmeren und besser wirksamen – sprich bei innovativen - Arzneimitteln zu sparen, bedeutet sparen am falschen Ort. Ein Beispiel: Eine hochaktuelle Studie aus Deutschland hat gezeigt, dass die indirekten Kosten verursacht durch Herzinfarkt mehr als doppelt so hoch sind wie die direkten . Konkret: Die Kosten durch Behinderung und Arbeitsunfähigkeit nach einem Herzinfarkt kommen dem Staat doppelt so teuer wie die eigentliche Behandlung. Hier zeigt sich: Medikamente helfen sparen. Nach Sanktionen für Ärzte zu rufen, die innovative Medikamente verschreiben, gehen somit eindeutig in die falsche Richtung. Mit diesem Vorschlag bedient man nicht den Patienten, sondern die Bürokratie. Das ist Patienten-Schikane. Denn nochmals: Alexander Mayr hat es soeben betont, Mit 53 Prozent fließt der größte Teil des Gesundheitsbudgets in die Finanzierung der Spitäler, Medikamente machen nur einen kleinen Teil aus.
Innovative Medikamente retten Leben und sparen Geld. Ob und in welchem Umfang bei den Gesundheitsausgaben überhaupt gespart werden soll, das muss die Politik entscheiden. Unser Beitrag ist, bei einem intelligenten Sparen mitzuhelfen, das den optimalen Nutzen für Patientinnen und Patienten sicherstellt. Mit Hilfe von innovativen Medikamenten werden Patienten schneller gesund, können früher wieder in den Arbeitsprozess eingegliedert werden und führen damit indirekt zu einer Reduktion der Aufwendungen für Krankenstände. So ersparen wir uns zum Beispiel dank Entdeckung der Protonenpumpenhemmer 7.000 Magen- bzw. Darmoperationen pro Jahr. Bei Patienten mit chronischen Erkrankungen wiederum ist es besonders wichtig, moderne Therapien mit geringen Nebenwirkungen zur Verfügung zu haben, um die Lebensqualität der Patienten sichern zu können. Innovationen im Arzneimittelbereich stellen eine Chance dar, die Lebenserwartung und Lebensqualität der Bevölkerung zu erhöhen. Innovation ist aber nicht nur ein wichtiger Faktor für die Lebensqualität von Patienten und für die Umwegrentabilität in Sachen Gesundheitskosten, sondern auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die Entwicklung eines neuen Arzneimittels von der Entdeckung eines Moleküls bis hin zur Marktzulassung dauert bis zu 15 Jahre und kostet 700 Millionen Euro . Pharmazeutische Unternehmen als Motor der Forschung: Forschungsorientierte pharmazeutische Unternehmen investieren 18 Prozent ihres Umsatzes in die Erforschung und Entwicklung neuer, innovativer Medikamente mit weniger Nebenwirkungen. Im Vergleich dazu investiert die als besonders innovativ geltende Telekommunikations-Branche nur rund 3 bis 5 Prozent ihres Umsatzes in Forschung.
Forschungsquote: In diesem Zusammenhang muss einmal mehr betont werden, dass, nachdem sich der Staat aus seiner Verantwortung für Forschung und Entwicklung immer mehr zurückzieht, es keine Alternative zu den Beiträgen der pharmazeutischen Industrie gibt. Mit den staatlichen Mitteln, den EU-Beiträgen, und den Mitteln von Stiftungen und privaten Sponsoren alleine kann heute wissenschaftliche Forschung nicht mehr durchgeführt werden. Wenn der Preisdruck auf uns immer mehr steigt, sind die Folgen unvermeidbar: weniger neue Medikamente. Weniger besser wirksame Medikamente, mehr Leid. Denn zu Dumpingpreisen Medikamente erforschen und entwickeln – das kann nicht gut gehen. Das österreichische Gesundheitssystem muss den internationalen Vergleich nicht scheuen. Im Bereich Forschung und Entwicklung, also auch bei innovativen Medikamenten, hinkt Österreich allerdings hinterher. Österreichs Institutionen in Wissenschaft und Wirtschaft müssen konkurrenzfähig bleiben. Der Ausbau der nationalen Forschungsförderung und die Anpassung der Rahmenbedingungen sind dafür entscheidend.
Österreich liegt mit einer Gesamt-Forschungsquote von 1,8 Prozent des BIP, das sind rund 3.63 Mrd. €, weit unter dem OECD-Durchschnitt von knapp 2,5 Prozent oder den Forschungsausgaben vergleichbarer Länder wie Schweden (mehr als 4 Prozent) oder Finnland (3,1 Prozent). Die öffentliche Hand ist also gefordert, die Attraktivität und Kompetitivität des Forschungsstandortes auszubauen und Forschern in Österreich die Möglichkeit zu geben, international interessante Innovationen voranzutreiben. Hier drohen wir sonst den Anschluss zu verlieren.
Die Zukunft der durch die pharmazeutische Industrie geleisteten Forschung und Entwicklung hängt aber auch von den politischen Rahmenbedingungen ab. Um den Patienten auch in Zukunft moderne Arzneimittel zu bieten, sind folgende Voraussetzungen nötig: - ein klares Ja zur biomedizinische Grundlagenforschung - effektiver Patentschutz für Arzneimittel - effiziente und gut funktionierende rechtliche Rahmenbedingungen - wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die Handelsfreiheit gewährleisten.
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WORAN UNSER GESUNDHEITSSYSTM KRANKT: DER RH-BERICHT UND ZUGANGSBESCHRÄNKUNGEN ZU MODERNEN MEDIKAMENTEN
Statement Guus van der Vat
Unser Pressefrühstück hat auch einen sehr aktuellen Anlass: Die Debatte über die Gesundheitsreform. Sie haben heute schon gehört, dass es im Gesundheitswesen ein großes Ungleichgewicht gibt. Der Rechnungshof hält in seinem Tätigkeitsbericht 2001 über das österreichische Gesundheitssystem fest:
„Die Entwicklung weist auf die Krankenhaus-Lastigkeit des österreichischen Gesundheitswesens hin.“
Zitate aus dem RH-Bericht: - Der größte Anteil der öffentlichen Gesundheitsausgaben entfiel auf die stationäre Behandlung, gefolgt von den Ausgaben für die ambulante Behandlung und Ausgaben für Medikamente und Geräte. In Prozent: 52,8 Prozent, gefolgt von 28,7 Prozent und 18,5 Prozent. - In Österreich kommen auf 1.000 Einwohner 6,2 Betten. Eine Strukturreform müsste das Heranführen des Bettenangebotes an das durchschnittliche europäische Niveau von derzeit 4,6 Betten je 1.000 Einwohner beinhalten. Frankreich hat beispielsweise eine Bettendichte von 4,2, die Niederlanden von 3,5. - Die durchschnittliche Auslastung der Betten betrug 2001 77,94 Prozent. - Mit einer Angleichung der Bettendichte an den europäischen Schnitt könnten 2,9 Milliarden Euro aus dem stationären Bereich umgeschichtet werden.
Herr Mayr hat es bereits gesagt: Selbst wenn wir alle Medikamente herschenken, löst das nicht die wahren Probleme im österreichischen Gesundheitswesen. Denn hier gibt es ein zu großes Ungleichgewicht: Überversorgung (Betten) auf der einen Seite, Unterversorgung (bei modernen Medikamenten) auf der anderen Seite.
Ein Beispiel: Statine sind der „Golden Standard“ in der Therapie der Lipidsenkung. Statine wurden Ende der 80er Jahre entdeckt, Merck brachte den ersten Lipidsenker der neuen Generation auf den Markt. Heute weiß man, dass ein zu hoher Cholesterinwert Hauptrisikofaktor für koronare Herzkreislauf-Erkrankungen ist. Soweit die Facts. Und wie sieht die Situation in Österreich aus? Da liegen wir 38,5 Prozent unter dem EU-Durchschnitt bei den Behandlungsausgaben für Statine.
Alarmierende Zahlen: In einer aktuellen Vergleichs-Studie hat der deutsche Gesundheitsökonom Oliver Schöffski die Medikamentenversorgung für 20 Indikationsbereiche untersucht. Schöffski kommt darin zu dem Schluss, dass es eine Unterversorgung der Patienten mit modernen Arzneimitteln gibt. Sieht man sich in diesem Zusammenhang die OECD-Gesundheitsdaten für Österreich an, sprechen die Zahlen für sich: 234 verlorene Lebensjahre allein wegen akuten Herzinfarkts. Umgerechnet auf ganz Österreich heißt das: 18.720 verlorene Lebensjahre pro Jahr! Wie wichtig neue, nebenwirkungsärmere und besser wirksame – also innovative – Medikamente sind, zeigt ein Blick auf ebendiese OECD-Statistik: Demnach gingen 1980 noch 437 Jahre aufgrund eines akuten Herzinfarkts verloren, 1990 waren es 290 und 2000 jene 234 Jahre auf 100.000 Einwohner bzw. 18.720 verlorene Lebensjahre für ganz Österreich. Jedes verlorene Lebensjahr ist ein Jahr zuviel!
Was den Patienten vorenthalten wird: Wussten Sie, dass es in Österreich spezielle Indikations-Regelungen für viele innovative Medikamente gibt? Das wirkt sich in der Praxis zum Beispiel so aus: Ein weltweit erfolgreich eingesetztes Medikament von uns, das den Blutdruck signifikant senkt, bekommt in Österreich nur wer davor schon mit einem ACE-Hemmer behandelt wurde und darauf einen Keuchhusten bekommen hat. Für den Hauptverband ist die IND-Regelung ein Instrument, um die Verordnungen einzuschränken und die Preise zu drücken. Damit werden den Patienten moderne Therapien vorenthalten. In Österreich liegt der Marktanteil patentgeschützter, innovativer Arzneimittel bei nur 25 Prozent. Damit zählen wir im europäischen Vergleich zu den Schlusslichtern. Zum Vergleich: In Skandinavien haben moderne Arzneimittel einen Anteil von 40 Prozent. Wer Geld hat, kann sich neue, nebenwirkungsärmere und besser wirksame Medikamente selbst kaufen. Die Folge ist die Zwei-Klassen-Medizin. Und wieder die Frage: Was ist Gesundheit wert?
Österreich und die Beitrittskandidaten – ein Preisvergleich: Die EU-Beitrittsländer leisten sich für innovative Medikamente mehr als wir. In Österreich ist der Fabriksabgabepreis, also der Preis, den die pharmazeutische Industrie erhält, für einen Blutdrucksenker völlig neuen Typs billiger als zum Beispiel in Polen oder Ungarn. Wenn man über eine Gesundheitsreform diskutiert – und über eine Strukturreform müssen wir diskutieren – dann müssen wir bei zwei Punkten ansetzen: - Der Rechnungshof hat errechnet, dass allein mit der Angleichung der Bettendichte an den europäischen Schnitt 2,9 Milliarden Euro eingespart werden könnten: Mehr als die gesamten Ausgaben der Krankenkassen für Medikamente. Diese machen nur einen geringen Teil aus. - Wir wollen die beste medizinische Versorgung auch in Zukunft sichern. Deshalb dürfen Österreichs Patienten moderne Medikamente nicht aus Kostengründen vorenthalten werden.
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