Therapeutische Medikamente gegen COVID-19 – Medikamente für Lungenerkrankungen sowie Herz-Kreislauf-Medikamente

Bei der Therapie von COVID-19 kommen auch Arzneimittel für Lungenerkrankungen sowie Herz-Kreislauf-Medikamente in Frage. Deshalb werden diese beiden Gruppen an Therapeutika ebenso untersucht, ob ein „Umfunktionieren“ für COVID-19 (“Repurposing”) sinnvoll ist.

Innerhalb der Gruppe der Arzneimittel für Lungenerkrankungen sind etwa jene interessant, die gegen idiopathische Lungenfibrose entwickelt wurden. Sie sollen verhindern, dass die Lunge der PatientInnen das Blut nicht mehr mit genug Sauerstoff versorgen kann. Ein Überblick über einige Projekte (der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt)[i]

  • Ein Wiener Biotech-Unternehmen erprobt aktuell seinen Wirkstoff Solnatide gegen akutes Lungenversagen (ARSD) auf Eignung für COVID-19-Patienten mit schweren Lungenschäden. Es soll die Dichtheit von Membranen im Lungengewebe wiederherstellen. Dazu läuft an der MedUni Wien derzeit eine Studie[ii],[iii]
  • Gegen durch COVID-19 verursachte Undichtigkeiten in den Blutgefäßen der Lunge und in anderen Organen soll der Peptid-Wirkstoff FX06 eines weiteren Wiener Unternehmens wirksam sein. Eine klinische Studie ist in Vorbereitung. Entwickelt wurde das Medikament zur Behandlung anderer Gefäßkrankheiten, wofür es bereits in klinischen Studien erprobt wurde.
  • Chinesische Forscher wollen ein Medikament mit dem Wirkstoff Pirfenidon erproben, das bereits für PatientInnen mit idiopathischer Lungenfibrose zugelassen ist. Dieses Medikament wirkt der Vernarbung geschädigten Lungengewebes entgegen.
  • Ein kanadisches Unternehmen plant, das Medikament NP-120 mit dem Wirkstoff Ifenprodil auf Eignung zu erproben. Ifenprodil ist mittlerweile patentfrei in Japan und Südkorea gegen neurologische Krankheiten zugelassen. Mit diesem Wirkstoff wird seit einiger Zeit ein Medikament gegen idiopatische Lungenfibrose entwickelt.
  • Auch ein US-amerikanische Unternehmen entwickelt – ähnlich wie das Wiener Biotech-Unter­nehmen – derzeit ein Medikament mit dem Wirkstoff BXT-25 für PatientInnen mit ARDS. Es kann voraussichtlich die Sauerstoffaufnahme in einer geschädigten Lunge verbessern und Patienten helfen, die sonst nur noch über eine künstliche Lunge zureichend mit Sauerstoff versorgt werden können. Das Unternehmen möchte sein Medikament mit einem Partner auch für schwerkranke Patienten mit COVID-19 erproben.
  • Außerdem wurde in den USA die Beimengung von etwas Stickstoffmonoxid zur Atemluft im Fall einer künstlichen Beatmung zugelassen, um so die Atemnot bei COVID-19-PatientInnen zu lindern. Dieses Gas, das der Körper selbst als Botenstoff bildet, kann durch Muskelentspannung die Blutgefäße in den Lungen weiten. Dieses Vorgehen zeigte schon während der SARS-Epidemie positive Effekte.

Bei den Herz-Kreislauf-Medikamente stehen jene im Fokus, die z. B. gegen Blutgerinnsel oder Herz-Rhythmus-Störungen entwickelt wurden. Denn eine schwere COVID-19-Infektion wirkt sich nicht nur in der Lunge aus, sondern kann auch Auswirkungen auf Herz, Nieren und andere Organe haben. Zudem wurden bei einigen COVID-19-PatientInnen post mortem Blutgerinnsel gefunden. Gegen solche Komplikationen der Erkrankung werden eine Reihe zugelassener Herz-Kreislauf-Medikamente erprobt. Sie sollen Komplikationen durch eine COVID-19-Erkrankung verhindern. Ein Überblick über einige Projekte (der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt)[iv]

  • Der Gerinnungshemmer Rivaroxaban (ein direkter oraler Faktor-Xa-Hemmer) ist u. a. zur Behandlung des Akuten Koronar-Syndroms (ACS) zugelassen. Derzeit wird er in einer Studie darauf erprobt, ob er Herz-Komplikationen bei COVID-19-PatientInnen verhindern kann.
  • Gegen die Thrombosegefahr wird auch der Gerinnungshemmer Enoxaparin in einer Studie erprobt,  ein niedermolekulares Heparin. Er ist u.a. zugelassen zur Prophylaxe einer venösen thromboembolischen Erkrankung bei PatientInnen mit Ateminsuffizienz oder schwerer Infektion und eingeschränkter Mobilität, aber auch zur Therapie bestimmter Formen von Akutem Koronar-Syndrom.
  • Weiters wird in einer Studie erprobt, ob Dapagliflozin das Auftreten schwerer Komplikationen wie Organversagen bei COVID-19-PatientInnen verhindern kann. Zugelassen ist das Medikament (ein SGLT-Inhibitior) für die Therapie von Diabetes Typ 2; in Studien konnte es aber auch der Entwicklung von Herzinsuffizienz entgegenwirken.

Weiters erproben verschiedene medizinische Einrichtungen, ob Blutdrucksenker aus der Klasse der Sartane bei der Überwindung von Lungen- und Herz-Komplikationen von Covid-19 hilfreich sein können. Laufende Updates zu einigen der Projekte liefert u.a. der Tracker des US-amerikanischen Milken Institute[v]

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[i] Quelle: vfa. Die forschenden Pharmaunternehmen | www.vfa.de

[ii] Quelle: BASG, in Österreich genehmigte Klinische Prüfungen | EU CT Register

[iii] Quelle: MedUni Wien testet Wirkstoff

[iv] Quelle: vfa. Die forschenden Pharmaunternehmen | www.vfa.de

[v] Quelle: Milken Institute | COVID-19 Treatment and Vaccine Tracker